VOM ZEICHNEN UND GEHEN IN FINSTERNIS

Viele meiner Zeichnungen habe ich blind oder halbblind gezeichnet. Warum mache ich das? Weil ich blind bin, wenn ich sehe und sehe wenn ich blind bin. Warum bin ich blind, wenn ich sehe? Weil ich dann meine vorgefertigten Bildern folge, denen die schon in meinem Kopf wohnen, sich eingenistet, breit gemacht haben


Wenn ich sehe bin ich blind. Sehr viele meiner Arbeiten entstehen deshalb blind oder im halbblinden Zustand. Das heißt, ich schaue nicht auf das Blatt, an dem ich gerade zeichne, sondern auf den Gegenstand oder die Zeichnung, den, bzw. die mir als Vorlage, als Auslöser für meine neue Arbeit dient. Trotzdem möchte ich meine Arbeiten nicht als Blindzeichnungen verstanden haben. Sie entstehen nur ohne den Anteil des äußeren Sehens. Innerlich versuche ich sehr wohl zu „sehen“, was ich mache. Manchmal schaue ich auch auf die Zeichnung, die ich gerade mache, dann aber meist mit einem unfokussierten, einem gestreuten Blick, einem Blick, der unscharf auf einen Raum hinter die Zeichenebene geheftet ist oder ich versuche, die beiden Ebenen miteinander zu verschmelzen.


Blind zeichnen und sehend beurteilen?

Das erscheint als Problem. Muss man nicht, wenn man blind arbeitet, die Ergebnisse, die so entstehen gelten lassen wie sie sind und nicht, wie ich das mache, mit den Kriterien des Sehenden beurteilen?

Ich versuche durch das Zurückschalten des Sehorgans zu Bildern zu kommen die sehend so nicht entstehen und die deshalb für mich interessant sind, weil sie unbelasteter von visuellen Klischees sind; weil sie mehr meinem inneren Auge als meinem organischen folgen. Trotzdem sind eine Arbeiten sind auf das Sehen hin angelegt und werden durch das Sehen und Denken kontrolliert.

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