Anton Kirchmair erzählt vom Leben und singt.

Der Künstler Sänger, Musiker, Zeichner, Bildhauer 
und Schriftstellerlebt mit seiner Frau Martha 
unmittelbar an der bayerisch-tschechischen 
Grenze in Marchhäuser. Eine Einöde, wie die 
Leute sagen. Ein Paradies, wie er sagt.
Einst verlief hier die Todeszone 
des Eisernen Vorhangs.
Es gibt nicht mehr viele Menschen hier.

Aber den Luchs und manchmal den Wolf, 
auch den Elch, die wilde Sau, den Auerhahn 
und dann seine Freunde, die Kreuzottern, 
die gibt es noch.
 
"Manchmal steht der Hirsch vor mir, aufrecht 
und voll Ruhe, mit mächtigem Geweih und wir 
schauen uns an", so sagt er und fügt über sein 
Leben hinzu:
 
"In München habe ich das Licht der Welt erblickt. 
das Heulen der Sirenen, das Zitherspiel meines
Das Springen von den Bäumen in den Kanal, 
das Tauchen durch die Wasserfälle, das Gehen 
über das Eis. Das Wissen um die Gefahren 
und um die Möglichkeiten dabei, haben sie die 
Männer gelehrt, die, die nicht vom Krieg 
zerschossen waren.
 
Heute leben die Kinder
in permanenter Aufsicht. 
Das ist eine der Tragödien 
unserer Gesellschaft.
 
Anton Kirchmair liest nicht nur, 
er inszeniert seinen Auftritt. 
Er erzählt, artikuliert, malt mit den Lauten 
und schweigt an den richtigen Stellen. 
Dann holt er die Gitarre hervor und singt.
 
Schöne, ruhige Lieder vom Tod 
von der heiligen Maria
und vom kohlschwarzen Rappen, 
nicht nur der Zeit um 1945 entsprechend
Vaters, sein „Weg zum Herzen“ im Detonieren 
der Bomben, waren die Lieder meiner Wiege.
Vor meinem Gesicht eine feuchte Windel 
gegen den Staub berstender Häuser."
 
Nach dem Krieg waren die Straßen still, 
ohne Farbe, ohne Bewegung, voll Ruhe 
und Frieden. "Die Stadt hat uns Kindern 
gehört", daran denkt er gerne.

Anton Kirchmair erzählt und liest 
von dieser Kindheit in der Stadt München, 
die von Tod und Zerstörung gezeichnet, 
den Kindern eine heute kaum 
vorstellbare Freiheit eröffnete.
Und diese verlorene Freiheit der Jugend 
ist bis heute ein zentrales Anliegen Kirchmairs 
in seinen Erinnerungen und Erzählungen.


Das Schwimmen in der Isar, die Köpferer von 
den Brücken im Flaucher und am Tierpark und 
später vom Georgenstein, als dieser noch kühn 
und frei in schnellem Wasser stand.
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Foto: Wilfried SeinigIndien_Tanzerinnen_2.html

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