Raum/ Kapelle


Als Anton Kirchmair das Angebot annahm, in dieser Kapelle auszustellen, ahnte er nicht, wie viel Kopfzerbrechen ihm die Eigensprache des Raumes machen würde. Wer ihn kennt, weiß um den Perfektionismus, mit dem er arbeitet. Und dieser Raum hatte ein Problem: nämlich die Schiene, die sich um seine Mitte herumzieht und ihm viel von seiner ursprünglichen Würde nimmt. Weil sie den Raum einschnürt wie der Draht die Weidenstäbchen Cenninis, die er während des Brennens bündelte, setzt Kirchmair seine bewegten Kohlenstäbe gegen die Starrheit der Schiene. An ihr entlang tänzeln die Linien seiner Zeichnungen. In die Interaktion beider werden wir als Betrachter miteinbezogen.


Uns bringt er in Bewegung. Versetzt uns in Schwingung, indem wir die Kapelle einmal umrunden müssen, um die Bilder zu lesen, und uns bei jedem der sieben Abschnitte und bei jeder der neun Glaswürfel noch einmal um die eigene Achse drehen müssen, um sowohl den Zeichnungen als auch dem Spiel der schlanken, schwarzen Akteure folgen zu können, denen wir sonst den Rücken zudrehen. So wie Cennini und seine Zeitgenossen einst die Figuren aus ihrer jahrhundertelangen Vereisung holten, so macht Kirchmair uns zu Handelnden – fordert uns auf zum stillen Reigen, bittet uns zum Tanz.

Haben Sie dabei, verehrte Damen und Herren, heute Abend so viel Vergnügen wie ich auch.


Herzlichen Dank.


Anke Humpeneder

2008    „a Cennino Cennini“    Foto: Stefan Hanke

1Artikel_-_2008_-_Eroffnungsrede_-_A_Cennino_Cennini_-_Humpeneder_-_1.html
2Artikel_-_2008_-_Eroffnungsrede_-_A_Cennino_Cennini_-_Humpeneder_-_2.html

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