Eröffnungsrede zur Ausstellung „a cennino cennini“ von Anton Kirchmair in der Sigismundkapelle Regensburg am 30. Januar 2007, 19.30 Uhr


Einen schönen guten Abend.


Als Cennino Cennini sein „Buch von der Kunst“ verfasste, ging das 14. Jahrhundert langsam zu Ende und eine neue Zeit brach an. Über den Umweg der Werkstätten von Taddeo und Agnolo Gaddi war Cennini Schüler des großen Giotto die Bondone.


Was damals in der Kunst passierte, davon zeigen die erhaltenen Zeugnisse beredte Bilder: Die starren, ikonenhaften Gesichter der Figuren erhielten individuelle Züge. Die hermetischen Goldgründe, mit denen alle Bilder hinterlegt waren, lösten sich auf und die Künstler setzten der ortlosen Sphäre, in der körperlose Gestalten reglos thronten, eine richtige Umgebung entgegen. Die Perspektive, die mit der Wissenschaft, genauer: der Geometrie in die Kunst Einzug hielt, ermöglichte Landschaft und Architektur – sie ermöglichte richtige Räume, Abstände, ein Hintereinander. Wo einst versteinertes Personal auf Goldgrund über die Gläubigen wachte und von oben auf sie heruntersah, da entwickelten sich nun greifbare, handelnde Wesen. Die Heiligen bekamen etwas Menschliches, das Heilsgeschehen wurde vorstellbar.

Die festen Formeln für die Darstellung der sakralen Dinge lösten sich auf, das Bild wurde zum Handlungsraum. Was der Beginn der Renaissance in die Bilder brachte, war vor allem: Bewegung.


Cennini beschrieb die neue Kunst der Malerei erstmals als ein Produkt aus „Phantasie und Handwerk“. Die Malerei, so schrieb er, erfordere „zugleich mit der Ausführung der Hand Phantasie, um niegesehene Dinge zu erfinden“. Und er verglich die Malerei mit der Poesie: weil „der Dichter würdig und frei“ sei, „ja und nein“ zusammenzustellen und zu vereinigen, wie es ihm gefalle. „Auf ähnliche Weise“, so Cennini weiter, sei „dem Maler Freiheit verliehen, eine Figur aufrecht zu entwerfen, sitzend, halb Mensch, halb Ross, wie es ihm gefällt.“     Imagination und Erfindungsgabe erst verliehen der Darstellung Flügel. Sie brachten Bewegung in die Kunst.





Um Bewegung soll es 2008 hier in der Regensburger Sigismund-Kapelle gehen, um Cennini speziell geht es Anton Kirchmair in der ersten Ausstellung in diesem Jahr.

Etwa zur selben Zeit, als sich hier in Regensburg die kraftvollen Rippen über den Mauern dieser Kapelle schlossen, beendete der Italiener die Arbeit an seinem Buch. Neben zahlreichen Werkstoffen und Kunsttechniken beschrieb er darin auch die Herstellung und den Gebrauch von Holzkohle. Und gab damit ein erstes und in seiner Zeit singuläres Zeugnis dieses Materials. Weshalb das „Libro dell’Arte“, wie das Buch im Original heißt, für Kirchmair zu einer wichtigen Quelle wurde.

2008    „a Cennino Cennini“    Foto: Stefan Hanke

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